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Marktlage in 60 Sekunden
Markt-Cockpit für Anlegerinnen und Anleger · Schweiz

Marktlage in 60 Sekunden

GELB · AUFPASSEN
Die Märkte sind aktuell angespannt, aber nicht gefährlich – ruhige Oberfläche, Unruhe darunter.
Stand: 4. Juli 2026 · wird bei jeder Aktualisierung neu gesetzt
Was für Vorsicht spricht Tech- und Chip-Aktien sind nach einem historischen Anstieg heiss gelaufen (Chip-Index: −10% in einer Woche), die US-Notenbank könnte die Zinsen erhöhen statt senken, und der Aufschwung hängt an wenigen grossen Titeln.
Was für Entwarnung spricht Die Angstbarometer der Profis sind ruhig, Firmen bekommen weiterhin problemlos und günstig Kredit, und die Industrie in den USA und China wächst.
Was das für Anleger heisst Kein Grund zur Panik – aber auch kein Umfeld für mutige Grosseinkäufe. Sparpläne laufen lassen, Reserve behalten, bei Tech und Krypto zurückhaltend bleiben.

Marktlage + Risikoprofil = deine Orientierung

Deine persönliche Einschätzung entsteht aus zwei Teilen: Die Marktampel zeigt, wie das Umfeld gerade aussieht. Dein Risikoprofil zeigt, wie viel Schwankung du persönlich aushalten kannst. Eine gute Anlagestrategie braucht beides – wähle dein Profil aus dem Selbsttest «Persönliches Risikoprofil»:

Orientierungs-Matrix: Aktienquote nach Profil und Marktampel

Die wichtigste Regel: Die Marktlage darf dein Risiko nur nach unten feinjustieren – sie erhöht es nie über dein Profil hinaus. Ein vorsichtiges Profil bekommt auch bei grüner Ampel keine hohe Aktienquote; ein wachstumsorientiertes Profil flieht bei roter Ampel nicht in Cash, sondern staffelt Käufe, rebalanciert und reduziert Klumpenrisiken. Die Bandbreiten sind Orientierung – die genaue Quote hängt zusätzlich von Anlagehorizont, Reserve, Einkommen, Vorsorge, Immobilien, Steuern, Schulden und deiner Verlusttoleranz ab.
Strategisch vs. taktisch – der Unterschied in zwei Sätzen

Strategische Aufteilung: deine langfristige Grundaufteilung. Sie kommt aus deinem Risikoprofil, deinen Zielen und deinem Anlagehorizont – und ändert sich nur, wenn sich dein Leben ändert, nicht wenn die Börse wackelt.

Taktische Anpassung: die kleine Feinsteuerung an die aktuelle Marktlage – zum Beispiel etwas mehr Reserve bei gelber Ampel. Sie verändert nie deine ganze Strategie, nur die Dosierung.

Was bedeutet das für mein Geld?

Drei Beispielprofile zur Orientierung. Welches zu dir passt, hängt von deinem Anlagehorizont, deiner Reserve und deinen Nerven ab – der Selbsttest «Persönliches Risikoprofil» hilft bei der Einordnung. Zahlen jeweils in Prozent des Anlagevermögens.

BausteinVorsichtigAusgewogenWachstums-orientiert
Aktien global (Welt, breit gestreut)~21%~28%~39%
Schweizer Aktien~6%~8%~11%
Schwellenländer-Aktien~3%~4%~5%
Anleihen / Geldmarkt / Cash50%30%15%
Gold / Edelmetalle12%15%15%
Rohstoffe8%10%8%
Krypto (optional, klein)0%0–5%0–7%

In Alltagssprache: «Vorsichtig» heisst: Die Hälfte bleibt sicher parkiert, Schwankungen bleiben klein – dafür wächst es langsam. «Ausgewogen» heisst: Rückschläge von 15–20% muss man aushalten können, dafür arbeitet mehr Geld. «Wachstumsorientiert» braucht über zehn Jahre Zeit und gute Nerven für Rückschläge von 25–30%.

Das ist Orientierung, keine persönliche Anlageberatung. Innerhalb der Aktien gilt als Faustregel für die Schweiz: rund 20% Schweiz, 70% Welt, 10% Schwellenländer – wer einen «All-World»-Fonds hält, hat Schweiz und Schwellenländer bereits teilweise drin (Doppelzählung vermeiden).

Was jetzt eher sinnvoll ist

Tun

  • Sparpläne unverändert weiterlaufen lassen
  • Rebalancing prüfen: Ist Tech/USA nach der Rally übergewichtet?
  • Klumpenrisiken sichtbar machen (USA, Tech, Schweiz, Krypto)
  • Notgroschen (3–6 Monatsausgaben) getrennt halten

Abwarten

  • Grosse Einmalkäufe – v.a. direkt vor dem US-Zinsentscheid (28./29.7.)
  • Chip-/KI-Aktien: erst die Quartalszahlen ab ~20.7. abwarten
  • Silber und Goldminen: erst Bestätigung der Wende abwarten

Vermeiden

  • Panikverkäufe bei normalen Schwankungen
  • Kredit oder Hebel für Anlagen
  • Alles auf ein Thema setzen (KI, Krypto, ein Land)
  • Die Liquiditätsreserve investieren

Die wichtigsten Marktsignale, einfach erklärt

Sieben Messwerte, auf die Profis schauen – hier übersetzt. Jeder Wert mit Ampel, Quelle und Datenstand; über die Links kannst du alles selbst nachprüfen.

Beispiel-Aufteilung im aktuellen Umfeld (ausgewogenes Profil)

Vorab das Wichtigste: Deine persönliche Aufteilung hängt von Anlagehorizont, Risikofähigkeit, Einkommen, Vorsorgesituation, Steuern und Liquiditätsbedarf ab. Die folgende Aufteilung ist ein Modellwert für das aktuelle gelbe Umfeld – etwas vorsichtiger als in normalen Zeiten.

Aktien 34% (davon Welt ~24, Schweiz ~7, Schwellenländer ~3) Anleihen/Geldmarkt/Cash 37% Gold 15% Rohstoffe 9% Krypto max. 5% (optional)

Warum diese Aufteilung?

Erstens: Die Aktienquote liegt etwas unter normal, weil der Tech-Sektor überhitzt ist und die Zinsfrage offen bleibt. Zweitens: Das Cash-Polster ist bewusst gross – es kostet in Franken fast nichts und ist die Reserve für bessere Einstiegsmomente. Drittens: Gold bleibt voll gewichtet, weil Notenbanken kräftig kaufen und es das Depot in Stressphasen stabilisiert. Viertens: Rohstoffe profitieren von China und der Elektrifizierung, ohne am Tech-Hype zu hängen. Fünftens: Krypto bleibt klein, weil schon 5% davon rund einen Viertel des gesamten Depot-Risikos ausmachen können.

Orientierung, keine persönliche Anlageberatung. Für Details: Selbsttest «Persönliches Risikoprofil» und der Expertenbereich mit allen Radaren.

Was sich ändern müsste, damit die Ampel umspringt

Richtung GRÜN («Ruhig»)

  • Die US-Notenbank gibt Entwarnung (kein Zinsschritt nach oben)
  • Die Chip-Aktien beruhigen sich und die Quartalszahlen ab ~20.7. überzeugen
  • Der Aufschwung wird breiter – nicht nur wenige grosse Titel steigen

Richtung ROT («Risiko senken»)

  • Firmen müssen deutlich mehr für Kredit zahlen (Spreads über 3.5%)
  • Das Angstbarometer VIX springt über 25
  • Der US-Zins steigt über 4.6% oder die Notenbank erhöht bei heisser Inflation

Beobachtet werden dafür vor allem drei Termine: die US-Inflationszahlen um den 14. Juli, die Quartalszahlen der grossen Tech-Firmen ab etwa dem 20. Juli und der US-Zinsentscheid am 28./29. Juli – der wichtigste Einzeltermin des Monats.

Datenquellen – hier kannst du alles selbst prüfen

Alle Quellen aktualisieren sich laufend oder regelmässig:

Angstbarometer VIXcboe.com · historische Daten
Anleihen-Stress MOVEfinance.yahoo.com
Kreditstress (High-Yield-OAS)fred.stlouisfed.org
US-10-Jahreszinsfred.stlouisfed.org
Dollar-Index DXYtradingview.com
USD/CHF und EUR/CHFsnb.ch
S&P 500 / Nasdaq 100S&P 500 · Nasdaq 100
Bitcoincoingecko.com
Goldtradingview.com
MSCI-Indizes (Welt, ACWI, ACWI IMI)World · ACWI · ACWI IMI
Für Fortgeschrittene: das komplette Radar-System

Diese Seite ist die einfache Übersicht. Dahinter arbeitet ein mehrstufiges Modell: Persönliches Risikoprofil → Marktrisiko-Radar (bestimmt die Ampel) → Regionen- & Home-Bias-Radar (Schweiz/Welt/Schwellenländer) → Sektor-Radare (Tech, Edelmetalle, Rohstoffe, Krypto) → Anleihen-Radar. Alle Detail-Instrumente, Schwellenwerte, Gewichtungen und der Verlauf finden sich auf den jeweiligen Unterseiten des Expertenbereichs.

Für Eilige

Die Marktlage steht auf GELB: angespannt, aber nicht gefährlich. Das grösste Risiko ist der überhitzte Tech-Sektor in Kombination mit einer US-Notenbank, die eher erhöht als senkt. Positiv sind die ruhigen Angst- und Kreditbarometer sowie die wachsende Industrie in den USA und China. Ein ausgewogener Anleger hält grob 34% Aktien (breit gestreut, davon rund ein Fünftel Schweiz), 37% Cash und Anleihen, 15% Gold, 9% Rohstoffe und höchstens 5% Krypto. Der nächste wichtige Datenpunkt ist der US-Zinsentscheid am 28./29. Juli.

Dieses Cockpit ist Orientierung und Finanzbildung, keine persönliche Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Alle Werte sind Modellwerte mit Quellenangabe und Datenstand; die persönliche Umsetzung gehört in ein Gespräch mit einer Fachperson. © Dominique Rychner · Datenstand 4. Juli 2026.