Marktlage in 60 Sekunden
Marktlage + Risikoprofil = deine Orientierung
Deine persönliche Einschätzung entsteht aus zwei Teilen: Die Marktampel zeigt, wie das Umfeld gerade aussieht. Dein Risikoprofil zeigt, wie viel Schwankung du persönlich aushalten kannst. Eine gute Anlagestrategie braucht beides – wähle dein Profil aus dem Selbsttest «Persönliches Risikoprofil»:
Orientierungs-Matrix: Aktienquote nach Profil und Marktampel
Strategisch vs. taktisch – der Unterschied in zwei Sätzen
Strategische Aufteilung: deine langfristige Grundaufteilung. Sie kommt aus deinem Risikoprofil, deinen Zielen und deinem Anlagehorizont – und ändert sich nur, wenn sich dein Leben ändert, nicht wenn die Börse wackelt.
Taktische Anpassung: die kleine Feinsteuerung an die aktuelle Marktlage – zum Beispiel etwas mehr Reserve bei gelber Ampel. Sie verändert nie deine ganze Strategie, nur die Dosierung.
Was bedeutet das für mein Geld?
Drei Beispielprofile zur Orientierung. Welches zu dir passt, hängt von deinem Anlagehorizont, deiner Reserve und deinen Nerven ab – der Selbsttest «Persönliches Risikoprofil» hilft bei der Einordnung. Zahlen jeweils in Prozent des Anlagevermögens.
| Baustein | Vorsichtig | Ausgewogen | Wachstums-orientiert |
|---|---|---|---|
| Aktien global (Welt, breit gestreut) | ~21% | ~28% | ~39% |
| Schweizer Aktien | ~6% | ~8% | ~11% |
| Schwellenländer-Aktien | ~3% | ~4% | ~5% |
| Anleihen / Geldmarkt / Cash | 50% | 30% | 15% |
| Gold / Edelmetalle | 12% | 15% | 15% |
| Rohstoffe | 8% | 10% | 8% |
| Krypto (optional, klein) | 0% | 0–5% | 0–7% |
In Alltagssprache: «Vorsichtig» heisst: Die Hälfte bleibt sicher parkiert, Schwankungen bleiben klein – dafür wächst es langsam. «Ausgewogen» heisst: Rückschläge von 15–20% muss man aushalten können, dafür arbeitet mehr Geld. «Wachstumsorientiert» braucht über zehn Jahre Zeit und gute Nerven für Rückschläge von 25–30%.
Was jetzt eher sinnvoll ist
Tun
- Sparpläne unverändert weiterlaufen lassen
- Rebalancing prüfen: Ist Tech/USA nach der Rally übergewichtet?
- Klumpenrisiken sichtbar machen (USA, Tech, Schweiz, Krypto)
- Notgroschen (3–6 Monatsausgaben) getrennt halten
Abwarten
- Grosse Einmalkäufe – v.a. direkt vor dem US-Zinsentscheid (28./29.7.)
- Chip-/KI-Aktien: erst die Quartalszahlen ab ~20.7. abwarten
- Silber und Goldminen: erst Bestätigung der Wende abwarten
Vermeiden
- Panikverkäufe bei normalen Schwankungen
- Kredit oder Hebel für Anlagen
- Alles auf ein Thema setzen (KI, Krypto, ein Land)
- Die Liquiditätsreserve investieren
Die wichtigsten Marktsignale, einfach erklärt
Sieben Messwerte, auf die Profis schauen – hier übersetzt. Jeder Wert mit Ampel, Quelle und Datenstand; über die Links kannst du alles selbst nachprüfen.
Beispiel-Aufteilung im aktuellen Umfeld (ausgewogenes Profil)
Vorab das Wichtigste: Deine persönliche Aufteilung hängt von Anlagehorizont, Risikofähigkeit, Einkommen, Vorsorgesituation, Steuern und Liquiditätsbedarf ab. Die folgende Aufteilung ist ein Modellwert für das aktuelle gelbe Umfeld – etwas vorsichtiger als in normalen Zeiten.
Warum diese Aufteilung?
Erstens: Die Aktienquote liegt etwas unter normal, weil der Tech-Sektor überhitzt ist und die Zinsfrage offen bleibt. Zweitens: Das Cash-Polster ist bewusst gross – es kostet in Franken fast nichts und ist die Reserve für bessere Einstiegsmomente. Drittens: Gold bleibt voll gewichtet, weil Notenbanken kräftig kaufen und es das Depot in Stressphasen stabilisiert. Viertens: Rohstoffe profitieren von China und der Elektrifizierung, ohne am Tech-Hype zu hängen. Fünftens: Krypto bleibt klein, weil schon 5% davon rund einen Viertel des gesamten Depot-Risikos ausmachen können.
Was sich ändern müsste, damit die Ampel umspringt
Richtung GRÜN («Ruhig»)
- Die US-Notenbank gibt Entwarnung (kein Zinsschritt nach oben)
- Die Chip-Aktien beruhigen sich und die Quartalszahlen ab ~20.7. überzeugen
- Der Aufschwung wird breiter – nicht nur wenige grosse Titel steigen
Richtung ROT («Risiko senken»)
- Firmen müssen deutlich mehr für Kredit zahlen (Spreads über 3.5%)
- Das Angstbarometer VIX springt über 25
- Der US-Zins steigt über 4.6% oder die Notenbank erhöht bei heisser Inflation
Beobachtet werden dafür vor allem drei Termine: die US-Inflationszahlen um den 14. Juli, die Quartalszahlen der grossen Tech-Firmen ab etwa dem 20. Juli und der US-Zinsentscheid am 28./29. Juli – der wichtigste Einzeltermin des Monats.
Datenquellen – hier kannst du alles selbst prüfen
Alle Quellen aktualisieren sich laufend oder regelmässig:
| Angstbarometer VIX | cboe.com · historische Daten |
| Anleihen-Stress MOVE | finance.yahoo.com |
| Kreditstress (High-Yield-OAS) | fred.stlouisfed.org |
| US-10-Jahreszins | fred.stlouisfed.org |
| Dollar-Index DXY | tradingview.com |
| USD/CHF und EUR/CHF | snb.ch |
| S&P 500 / Nasdaq 100 | S&P 500 · Nasdaq 100 |
| Bitcoin | coingecko.com |
| Gold | tradingview.com |
| MSCI-Indizes (Welt, ACWI, ACWI IMI) | World · ACWI · ACWI IMI |
Für Fortgeschrittene: das komplette Radar-System
Diese Seite ist die einfache Übersicht. Dahinter arbeitet ein mehrstufiges Modell: Persönliches Risikoprofil → Marktrisiko-Radar (bestimmt die Ampel) → Regionen- & Home-Bias-Radar (Schweiz/Welt/Schwellenländer) → Sektor-Radare (Tech, Edelmetalle, Rohstoffe, Krypto) → Anleihen-Radar. Alle Detail-Instrumente, Schwellenwerte, Gewichtungen und der Verlauf finden sich auf den jeweiligen Unterseiten des Expertenbereichs.
Für Eilige
Die Marktlage steht auf GELB: angespannt, aber nicht gefährlich. Das grösste Risiko ist der überhitzte Tech-Sektor in Kombination mit einer US-Notenbank, die eher erhöht als senkt. Positiv sind die ruhigen Angst- und Kreditbarometer sowie die wachsende Industrie in den USA und China. Ein ausgewogener Anleger hält grob 34% Aktien (breit gestreut, davon rund ein Fünftel Schweiz), 37% Cash und Anleihen, 15% Gold, 9% Rohstoffe und höchstens 5% Krypto. Der nächste wichtige Datenpunkt ist der US-Zinsentscheid am 28./29. Juli.
Dieses Cockpit ist Orientierung und Finanzbildung, keine persönliche Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Alle Werte sind Modellwerte mit Quellenangabe und Datenstand; die persönliche Umsetzung gehört in ein Gespräch mit einer Fachperson. © Dominique Rychner · Datenstand 4. Juli 2026.